IG SmZ

Technik, Geschichte und Geschichten
 Startseite  © seit 2009 ig-smz.de, optimiert für Firefox

John Deere, eine amerikanische Geschichte zwischen 1804 und 1840

John Deere, The Man Who Opened the Prairie von Diana Alm, veröffentlicht in The Illinois Writers' Guild, 1986

Versuch einer Übersetzung, von Wolfgang Tschosnig

John Deere

John Deere's Schmiede 1847

John Deere Werke 1856

John Deere Werke 1876

John Deere Werke 1880

John Deere Werke 1884

John Deere Werke 1897

John Deere Hauptsitz in Moline, heute

Von der Schmiede zum Weltkonzern

John Deere's erster Pflug, Nachbau

Nachbau von John Deeres erstem selbstreinigenden Pflug

John Deere wurde am 7. Februar 1804, in Rutland, Vermont als fünftes Kind von William und Sarah Deere geboren.
Die Eltern waren 1790 nach Rutland gekommen und siedelten 1806 nach Middlebury in Vermont um, wo beide im Schneiderhandwerk arbeiteten.
1808 segelte William Deere nach England, in der Hoffnung, ein für sein neues Geschäft dringend benötigtes Vermögen zu erben. Am 26. Juni sandte er einen Brief an seinen Sohn. Danach wurde nie wieder etwas von ihm gehört. Die Familienlegende weiß zu berichten, dass er sicher in England ankam, ihm auf der Rückreise auf See aber etwas zu stieß.
Sarah Deere führte das Familiengeschäft fort und tat ihr Bestes, ihre fünf Kinder groß zu ziehen. Da der Familie wenig Geld zur Verfügung stand, verließen die Kinder früh ihr Zuhause sobald sie arbeitsfähig oder in der Lage waren, einen Beruf zu erlernen.

1821, mit 17 Jahren, begann John eine Lehre bei Captain  (hier warscheinlich ein Offiziersrang) Benjamin Lawrence, dem ortsansässigen Schmied. Nachdem er seine Lehre 1825 beendet hatte, trat er eine Stelle als Handwerksgeselle in der Schmiede von David Wells und Ira Allen an.
Sarah Deere starb 1826.
John heiratete ein Jahr später Demarius Lamm aus der nahe gelegenen Stadt Hancock. Sie zogen nach Vergennes, wo John bei dem dortigen Schmied arbeitete. 1828 zogen sie erneut um, dieses Mal nach Salisbury in Vermont.
Hier wurde ihr erster Sohn, Francis Albert, geboren. Vermutlich nahm John zu dieser Zeit eine Arbeitsstelle in der  Briggs Schaufel-Fabrik in Salisbury an, denn er hatte sich auf die Herstellung von Werkzeugen spezialisiert.
Bereits 1829 eröffnete John Deere sein eigenes Geschäft in Leicester, zwei Brände führten aber zur Verschuldung.
Eine Tochter, Jeannette, wurde 1830 geboren. Ein erneuter Umzug führte  dieses Mal nach Royalton, Vermont.
In Royalton arbeitete John Deere für Amos Bosworth im Postkutschenbau und half hier warscheinlich, den ausgefallenen Eisenbeschlag, wie er damals bei Postkutschen verwendet wurde, her zu stellen.
1832 wurde er Vater einer weiteren Tochter, Ellen Sarah.

Etwa 1800 begann in Royalton, wie in vielen anderen Städten auch, die Erschließung des Westens und John Deere hatte von auswandernden Farmern und Handwerkern viele Erzählungen über die Weite des Westens gehört. Es gab aber auch ebenso Berichte von heimwehkranken Kolonisten, Geschichten von den unvorstellbaren Strapazen, von Verschuldung, von großer Kälte und Hitze sowie den Schwierigkeiten, den Prärieboden urbar zu machen und zu bearbeiten.
In Royalton sparte John genug Bargeld zusammen, um nach Hancock, der Heimatstadt seiner Frau, zu gehen. Dort arbeitete er wieder als Schmied und erwarb den Ruf, ein sorgfältiger und peinlich genauer Handwerker zu sein.

Allerdings waren die wirtschaftlichen Voraussetzungen im Vermont der 1830er Jahre eher schlecht. Dieser Wirtschaftsabschwung, bekannt als die Panik von 1837 wurde, wurde in erster Linie durch die Tatsache verursacht, dass Vermont fast völlig von der Schafzucht abhängig war und die Industrie eine untergeordnete Rolle spielte. Der Markt war gesättigt, und es gab kein Raum für Wachstumsindustrien.
Die Wirtschaftsprobleme des Ostens waren aber nur eine Ursache für die Wanderung nach Westen. Neue Transportmöglichkeiten waren geschaffen worden. Der Erie Kanal wurde 1825 eröffnet und die Preise der  Dampfschiffstransporte fielen, weil die Eisenbahn begann, Konkurrenz anzubieten. Außerdem endeten gegen 1832 die Indianerkriege mit der Kapitulation Häuptling Black Hawks. Alle diese Dinge förderten die Wanderung nach kürzlich geöffnetem Westen.

Leonard Andrus, ein Freund von John Deere, wurde 1835 der erste Siedler in Grand Detour, Illinois. Andrus und seiner zwei Vettern eröffneten dort eine Säge- und eine Schrotmühle. Amos Bosworth, Johns Arbeitgeber in Royalton, besuchte 1836 Grand Detour und kehrte nach Vermont zurück, um andere für den Westen zu begeistern.

Im November 1836 ging John Deere zu seinen Freunden in Illinois und ließ seine Frau und vier Kinder in Vermont zurück. Er war 32 Jahre alt und startete einen Neubeginn mit $73,73 und den Werkzeugen, die er von seinem Arbeitgeber in Hancock kaufte.

Während seines ersten Jahres im Grand Detour errichtete John Deere eine  damals einzigartige Schmiede, in der ein Pferdegöpel die Schmiedebälge antrieb. Er produzierte für die damalige Zeit ausgezeichnete Arbeitsgeräte und sein Ansehen wuchs. Und er stellte seine Produkte den Händlern in der Prärie vor, die diese dann weiter verkauften, während er auf den Direktverkauf verzichtete.
Die Idee dieser Art des Lagerverkaufs über Zwischenhändler war neu im amerikanischen Geschäftsleben. Vorher war es gang und gebe, Einzelanfertigungen auf Bestellung her zu stellen.

Nachdem John sich in seiner neuen Heimat etabliert hatte, baute er ein Haus für seine Familie. Demarius war schwanger bei seiner Abreise aus Vermont. Die Familie erreichte Grand Detour zu Ende des Jahres 1853. Sie kamen mit dem Fuhrwerk und brachten des Rest ihres Eigentums mit. Sie kamen, um zu bleiben. Johns Sohn, Charles Henry Deere, war ein Jahr alt, als John ihn zum ersten mal sah.

Die frühen Siedler in Illinois rodeten das Waldland für ihre Bauernhöfe, wie ihre Vorfahren es im Osten auch getan hatten. Sie folgerten, dass, wenn auf dem Land keine Bäume wachsen könnten, es auch nicht "stark" genug für Feldfrüchte wäre.
Es war für sie nicht ersichtlich, dass die faserartigen Wurzeln der Präriegräser jahrhundertelang reichen Humus produziert hatten (und diese auch gegen Erosion schützten, siehe 30er Jahre 20JH).
Die Pioniere fanden schnell heraus, dass sie für die Kultivierung eines gleichgroßen Geländestücks, für das sie in der Prärie einen Tag brauchten, die Siedler im Waldland ein ganzes Jahr benötigten.

Der erste Schritt, wenn man das zu erschliesende Land für die Bearbeitung vorbereitete, wurde "Prärie brechen", sinngemäß auflockern, genannt, und die meisten Landwirte bewerkstelligten dies mit schwerem Gerät und vier bis sechs Ochsen im Joch. Diese Methode wurde bis in die 1850er Jahre angewendet.

John Deere's Pflug war die wichtigste Erfindung zur Lösung des Problems, das im zweiten Jahr des Pflügens auftraten. Denn der reiche, feuchte Humus klebte am Pflugschar fest.

Es gibt einige Geschichten darüber, wie John Deere seinen ersten selbstreinigenden Pflug in Handarbeit anfertigte. Die bekannteste Version schreibt seine Erfindung einem defekten Sägeblatt zu, das John an Leonard Andrus Sägemühle fand und aufhob. Die Stahlgüte dieses Sägeblatts aus England übertraf die Güte der ansonsten verwandten heimischen Stähle.
Er nahm es mit zu seiner Schmiede, wo er es nach seinen Ideen und Erkenntnissen formte und polierte. Als es fertig war, ging er zu Lewis-Crandalls Bauernhof, seiner Schmiede gegenüber gelegen auf der anderen Seite des Rock River, und führte es dort den skeptischen Landwirten vor. Es funktionierte! Und schnitt eine saubere Furche in den schwarzen, schmierigen Bodens, ohne das dieser am Streichbrett des Pflugs anhaftete.

Nach diesem Erfolg spezialisierte sich John Deere schnell auf die Herstellung von Pflügen. Ende der 1840er ging er nach Moline in Illinois am Mississippi. Verbesserte Transportmöglichkeiten waren der Hauptgrund, sein wachsendes Geschäft mit Pflügen nach hier zu verlegen.



Quelle: Originaltext zu lesen unter Illinois ancestores, your path into the past presents ROCK ISLAND COUNTY GENEALOLY