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Die ersten Experimentier-Traktoren von John Deere

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Bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts war die Produktion von Ackergeräten der Hauptgeschäftszweig von Deere & Company. Durch die Übernahme einzelner Firmen konnte die Angebotspalette ständig erweitert werden.

Gleichwohl war sie schon seit Beginn der Industrialisierung einer der führenden Landmaschinenhersteller in den USA., beschäftigte sich aber nie, im Gegensatz zu Heinrich Lanz in Mannheim, mit dem Bau von Lokomobilen und Dampfmaschinen.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts erkannte man aber schnell, dass Traktoren, im Gegensatz zu den schweren und kostenintensiven  Lokomobilen, zukünftig einen hohen Stellenwert in der Landwirtschaft besitzen würden.

Auf vielfachen Wunsch der Kundschaft nahmen so einige Vertragshändler von Deere & Company Traktoren verschiedener Hersteller in ihr Sortiment mit auf. Dazu zählte der Emerson Brantingharn Big 4 tractor, der links in den beiden Bilder zu sehen ist.
( Zum vergrößern bitte auf die Bilder klicken )

Der Melvin Traktor

C.H. Melvin, Vorstandsmitglied bei Deere & Company, wurde Anfang Juli 1912 beauftragt, einen Traktor zu entwickeln und zu bauen, hierfür standen ihm 6.000  zur Verfügung. Gewünscht war ein kleiner Traktor mit abnehbarem Pflug.
In der Zeit von 1912 bis 1914 entwickelte Melvin ein 3-Rad-Modell, das , mit sich gegenüberstehenden Sitzen, in zwei Richtungen gefahren werden konnte. Melvin's Traktor war der erste Traktor, auf dem der Name John Deere stand. Wegen des geringen Erfolgs und der hohe Entwicklungskosten wurde allerdings nur ein Shlepper, den man auch als Motorpflug bezeichnen könnte, gebaut.
Allerdings erfand Melvin einen Hebe-Mechanismus für diePflüge (die übrigens nicht abnehmbar waren).

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Der Dain Traktor

dain-traktor Joseph Dain sen. kam 1910 zu Deere & Company als Vorstandsmitglied, nachdem Deere im Oktober 1910 seine Firma, die Dain Manufacturing Company, aufgekauft hatte.

Am 27. Mai wurde 1914 bekam Dain den Auftrag herauszufinden, ob möglich sei, einen Traktor mit einem Verkaufspreis von rund 700 $  zu bauen.  Am 8. September 1914  informierte Dain den Vorstand dass er überzeugt sei, einen kleinen 3-Schaar-Traktor für ungefähr 3.300 $ bauen zu können.
Bis 16. Dezember 1915 hatte Dain drei Traktoren fertiggestellt und getestet.

Am 14. März 1916 stieg Deere & Company in das Traktorgeschäft ein, als der Vorstand grünes Licht für den schnellstmöglichen Bau von zehn Allradschleppern gab.

Am 13. Juli wurde berichtet, dass fünf Maschinen mit Waukesha Motoren fertiggestellt seien. Einer sei nach North Dakota geliefert worden und arbeite dort zufriedenstellend. Dain und ein Mr. McVicker hatten zwischenzeitlich mit der Entwicklung eines besser zugänglichen Traktormotors begonnen.

Nach zahlreichen Tests und Bewertungen wurde am 19. November 1917 seitens des Vorstands beschlossen, einhundert Allrad-Schlepper zu bauen. Joseph Dain jr. setzte die Arbeit seines Vaters fort, der am 31. Oktober 1917 verstorben war.

Am 14. März 1918 kaufte Deere & Company die Waterloo Gasoline Engine Company mit ihrem Waterloo Boy Traktoren. Hundert Dain-Traktoren wurden noch hergestellt und alle nach South Dakota verkauft.

Es wurde beschlossen, die Produktion der Dain-Traktoren einzustellen und J. Dain jr. widmete sich ganz den Waterloo Boy Traktoren, die von nun an unter dem Namen John Deere hergestellt wurden.

Von den Dain-Traktoren existieren noch zwei Stück, von den einer Anfang 2000 bei ebay versteigert wurde. Von einem dritten Schlepper sind nur noch Einzelteile erhalten.

Der Sklovsky Traktor

Im Jahr 1915 wurde Max Sklovsky mit der Entwicklung eines 2-Schaar-Traktors beauftragt. Sein erster Entwurf, das Modell A-2, war ein Dreirad mit Allradantrieb, gebaut in der Marseille-Anlage mit einem 4-Zylinder Northway Motor. Die Leistung war akzeptabel außer, dass es fast  unmöglich war, den Schlepper zu steuern.

Das folgende Modell B-2 wurde zufriedenstellend getestet, mit deutlich verbesserter Lenkung und Leistungen auf allen Gebieten. Es wurde aber festgestellt, dass die Herstellungskosten knapp über 400  lagen, was einen Verkaufspreis von 900 $ bedeuten würde. Also am Markt nicht darstellbar war.
Die weitere Entwicklung wurde gestoppt, als der Erste Weltkrieg ausbrach und Deere in die Kriegsanstrengungen eingebunden wurde.
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Der Brown Einachsschlepper (Tractivator)

brown-tractivator Am 30. März 1916 erhielt Theophilius Brown die Genehmigung einen motorisierten Reihenkultivator zu bauen. Im Juni baute Brown einen 7,5 PS luftgekühlten New Way Motor auf ein Fahrgestell mit Miststreuerrädern und baute eine Deere KC Grubber an.
Nach zahlreichen Entwurfsänderungen, einschließlich des Einbaus eines von McVickers entworfenen und von der Associated Manufacturers Company gebauten Zwei-Zylinder-Motors, wurde beschlossen, 25 Grubber zu bauen, die am am 17. Februar 1917 fertig waren.
Im Einsatz zeigte sich, dass der Grubber sehr anfällig war und somit wurde die Produktion dieses und eines Nachfolgemodells zu Gunsten eines neuen Waterloo Boy Traktors 1921 eingestellt.