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Altersteilzeit oder Wenn Träume in Erfüllung gehen

ein Reisebericht von Siegfried Brunkhorst, Elbe-Weser-Dreieck

Ich möchte hier einmal über einen Schlepper berichten, der eigentlich noch gar kein Oldtimer ist. Es handelt sich dabei um einen John Deere 3050, der erst im Jahre 2012 zum Youngtimer aufsteigt.

In Alterteilzeit war er eigentlich schon etwas länger, da er täglich als Shuttle Fahrzeug vom Hof zum ausgesiedelten Schweinestall diente.Zusätzlich wurde er noch für das Spritzen der Getreidefelder und leichte Transportarbeiten eingesetzt. Mittlerweile sind die Maschinen immer größer geworden, sodass ein Sechszylinder mit nur 92 PS, besonders im hügeligen Gelände, einfach nicht mehr kräftig genug ist.

Was passiert mit solchen Traktoren?

Den meisten sollte bekannt sein, dass das letzte Stündlein nicht in Deutschland für die in die Jahre gekommene Landtechnik schlagen wird. Für mich war es schon länger ein Traum einen John Deere in 40km/h Ausführung zu besitzen und dieser Traum ist zum Teil in Erfüllung gegangen! Wenn die Partnerin das gleiche Hobby mit dem Mann teilt, kann es ein, dass zwar solch ein Schlepper auf dem Hof kommt, aber der Besitzer eine Besitzerin ist.

Nach Wochen und Monaten der Suche, wurde man sich irgendwann mal einig, was es denn nun endlich für ein John Deere sei soll. Denn da waren wir uns einig, ein Johnny sollte es auf jeden Fall sein. So konzentrierte ich mich bei der Suche also auf nur noch ein Modell. Eigentlich zwei, denn ein 3050 oder 3350 sollte es werden. In naher Zukunft ein Oldie, einfache Technik und spektakuläre 6 Zylinder, aber ohne Turbo-Aufladung.

Gut das man heute Internet hat und in der ganzen Welt suchen kann. Um aber bei der Zulassung keine unnötigen Probleme zu bekommen, konzentriert man sich auf Deutschland.

Jeder der schon etwas gesucht hat, kann bestimmt davon berichten, dass die guten Sachen irgendwie immer am weitesten entfernt sind.

Im Falle des 3050 ist vielen klar, warum man einen recht gut erhaltenen 3050 wohl kaum bei uns in Norddeutschland finden wird. Denn hier oben im Norden haben die Traktoren viele Betriebsstunden, Betrieb vorm Futtermischwagen und dann ab nach Polen, wenn gar nichts mehr geht.

Meine Empfehlung an alle Suchenden: Wissen was man will, wissen wie hoch der aktuelle Marktwert ist und dann zuschlagen, wenn ein dem entsprechendes Angebot vorliegt.
Streckenübersicht Wenn der Preis egal wäre, ist das ganze jedoch viel einfacher. Dann braucht man nur noch auf das passende warten. In diesem Fall kam unsere Vorstellung aus Bad Dürrheim. Na toll, dachte ich:
Wenig Betriebsstunden, kein Schnickschnack wie Klima und Druckluft, guter Zustand  -  aber 837 km entfernt.

Auf der  Karte - und wenn man mit dem Auto fährt -  sieht sie gar nicht so wild aus, die Strecke Bad Dürrheim - Waltersbrück - Stade.
Zum Vergrössern bitte auf das Foto klicken.
Aber wo ist bitte das Problem? Schließlich war ich doch schon zweimal mit meinem John Deere 940 in den Urlaub gefahren. Hin- und Rückfahrt allerdings nur 550 km und das in mehreren Tagen.
Bei fast 850 km und einer Geschwindigkeit von 40km/h bedeutet das über 20 Stunden Fahrzeit. Da braucht man sich nichts vormachen, an einem Tag wird das nichts.

Als die Frau dann sagte: Mach doch!

Und schon war ich mitten in der Planung, ohne dass der Schlepper überhaupt schon erworben wurde. Also gut: Kontakt mit dem Verkäufer aufnehmen und dem vertrauen, was am Telefon über dem Traktor berichtet wird.

Kann man das machen?

Fotos, Beschreibung im Internet und dann telefonisch einen Kaufvertrag abschließen? Aber nach einer Nacht war klar, der soll es sein.  Also:
  1. Kaufvertrag per Fax
  2. Betrag überweisen
  3. Brief per Einschreiben zukommen lassen
  4. Zulassen
  5. Ab ins Auto und Traktor holen.
So könnte, nein so würde es aussehen und für die Übernachtungen (eine nach der Hinfahrt, Übergabe und eine auf halber Strecke der Rückfahrt mit dem Traktor), wurden die Zimmer schon vorher gebucht.

Es folgen Bilder von der Abholung in Bad Dürrheim

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Die IG-SmZ hat zum Wintertreffen eingeladen. Auf diesen Termin hatten meine Partnerin Andrea und ich uns schon sehr gefreut.

Von uns aus sind es ca. 400 km.
Mann, dachte ich, an dem Wochenende machen wir auch die Überfahrt. Liegt ja eigentlich auf dem Weg - Bad Dürrheim-Waltersbrück-Stade, also
  • Donnerstag, Anfahrt Bad Dürrheim, Traktorübergabe, Übernachtung
  • Freitag, Anreise Waltersbrück zum Treffen der John Deere Interessierten
  • Samstag, Programm mit den Freunden der Grün Gelben Farbe
  • Sonntag, Heimreise mit dem 3050 zweiter Teil
Ich versuche nicht zu sehr von der Überfahrt zu schwärmen, damit nicht zu viele Traktoren demnächst auf den Strassen für Behinderungen sorgen.

Es war total super, und ich würde es jederzeit wieder machen!!!

Es ist heute ja etwas einfacher mit den Navigationsgeräten, solch eine Reise durchzuführen. Max. Geschwindigkeit eingeben und dann sind eigentlich Autobahnen und Kraftfahrtstrassen kein Thema. Vorausgesetzt, das Navi ist auf neustem Stand. Sonst gibt es die eine oder andere Überraschung unterwegs.

Ich möchte hier nicht berichten, was alles passieren kann auf einer doch recht langen Strecke. Folgende Mängel sind bei mir während der Fahrt aufgetreten:

  • Undichtigkeit Allradachse vorne links
  • Viskoselüfter defekt, Motor Überhitzung
  • Undichtigkeit Tankgeber

Das Programm am Samstag in Waltersbrück war richtig gut (siehe auch dieses Video). Wir haben die schöne hessische Landschaft mit dem Planwagen genossen und sind dabei an Michels beeindruckender Sammlung an John-Deere-Lanz Technik vorbei gekommen. Respekt zu dieser und seiner umfangreichen Fachliteratursammlung.

Am Abend haben wir alle in einem gemütlichen Lokal den Tag ausklingen lassen können.

Allzu lange wollte ich mich abends eigentlich nicht aufhalten, da der nächste Tag mit den restlichen Kilometern vor mir lag. Aber die Stunden gingen dahin, dass wir uns eigentlich alle einig waren, so ein oder ähnliches Treffen sollte man wieder machen.

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3050abhol12 Der Sonntag belohnte mich noch mit ein paar Stunden Sonne, ehe ich gegen 18.15 Uhr mit breitem Grinsen vom Schlepper abstieg.

Wenn die einen oder anderen Mängel behoben sind, soll der Johnny sich an die Holzernte und an das Grünfutter machen. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, um bei Schnee nicht mehr in den Wald zu müssen. Schließlich ist der Schlepper nicht nur zum Hinstellen gebaut worden. Landtechnik in Aktion wird ja auch auf den Oldtimertreffen immer beliebter.

Für mich wird der 3050 nie ein Oldtimer sein, da ich mit dieser Technik groß geworden bin. Aber, vielleicht werden die Kinder von heute in ein paar Jahren einen Blick darauf werfen.

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