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Abenteuerfahrt 2012

Andrea Volksdorf und Siegfried Brunkhorst unterwegs mit ihren Traktoren der 3050er-Serie

Schon während der Fahrt habe ich mir einige Gedanken gemacht, wie man die Ausfahrt 2012 nennen könnte. Es sollte nicht schon nach der Überschrift den Leser den Gedanken in den Kopf schießen lassen:

Ach, schon wieder ein Reisebericht mit Traktoren, die so viele Kilometer hinter sich gebracht haben und ganz viel Diesel verbrannten.

Somit würde dieser Bericht schon nach einigen Worten ignoriert und abgelegt.

Eine Abenteuerfahrt wird auch erst zu einem Abenteuer, wenn Dinge passieren, die man nicht geplant hat oder etwas passiert, was man nicht wirklich erwartet hat.

Aber alles der Reihe nach.

Es war an der Zeit, Toralf in seiner Heimat zu besuchen. Nicht nur wegen des gleichen Interesses an John Deere Technik, sondern auch wegen der schon recht langen Freundschaft, die sich über ein paar Jahre gebildet hat.
Wäre der Besuch mit herkömmlichen Reisemitteln und in einem gewöhnlichen Zeitraum erfolgt, wären diese Zeilen vermutlich gar nicht erst entstanden.

Wenn ich mich recht entsinne, habe ich zum ersten Mal etwas von diesem Vorhaben während der Luxemburg Reise gehört. Das Oldtimer Team Waltersbrück hatte sich schon etwas länger zum Ziel gesetzt, ins ca. 340 km entfernte Breitenborn, südöstlich von Leipzig, mit ihren Traktoren zu reisen. Dort findet seit 2001 ein kleines und feines Traktorentreffen statt, dass eine recht interessante Palette von ost- und westdeutscher Technik zusammenkommen lässt.

2012-abr-01Andrea und ich hatten ebenfalls großes Interesse, Familie Weber mit dem Traktor zu besuchen. Schöner ist es allerdings, wenn man mit möglichst vielen Jonny Traktoren ans Ziel ankommt. Und somit war die Grundlage der Abenteuerfahrt gelegt.

Mit unseren zwei John Deere Traktoren 3350 und 3050, machten Andrea und ich aus dem Elbe-Weser-Raum am 20. August 2012 auf den Weg nach Waltersbrück. 

Wer mit dem Traktor reist weiss, dass der Weg das Ziel ist. Deshalb haben wir pro Tag etwa 150 km eingeplant. Schließlich sollte die gesamte Urlaubsausfahrt für uns 16 Tage dauern. Dann ist es von Vorteil, wenn man zwischendurch auch ein wenig Zeit hat, die Gegend kennen zu lernen und einfach mal ein wenig zu entspannen.
Unsere erste Station war in der Nähe des Steinhuder Meeres auf dem Campingplatz Erlengrund. Große Erwartungen hatten wir nicht, da es nur um eine Übernachtung mit Dusche, Strom und Grillmöglichkeit ging.

Einen Wecker für den nächsten Morgen brauchten wir nicht. Nicht, weil wir genügend Zeit für die Etappe eingeplant hatten, sondern weil es in der Nähe eine sehr große Freiland Gänsehaltung gab. Die hat nicht nur gleich morgens bei den ersten Sonnenstrahlen auf sich aufmerksam gemacht, sondern hat uns auch schon am Vorabend bis zur Nachtruhe Gesellschaft geleistet.

2012-abr-02Frisch gestärkt und leicht genervt von den Gänsen ging es auf einem Campingplatz in Hofgeismar. Direkt in der Nähe lag ein Schwimmbad, das bei den sommerlichen Temperaturen sehr gut besucht war. Die letzten Tage des Sommers 2012 sollten noch voll genutzt werden, so viele gab es in diesem Jahr leider nicht davon.

Unter kritischen Blicken der Dauercamper wurde uns ein Platz bereitgestellt. Nach eineinhalb Stunden wies der Platzwart nochmals den Dauergästen darauf hin, sie mögen nicht so laut reden.

Die beiden Traktoristen machen Urlaub!!!  Das war natürlich nur Spaß und alle haben gelacht.

2012-abr-24Am Mittwochmorgen wurden wir durch ein kleines Regenschauer und den hupenden Bäckerwagen geweckt. Ab 8 Uhr kann man schon langsam aufstehen und sich auf die weiteren Mitfahrer freuen.

Michel aus Istha stand schon startklar mit Einiges an Proviant im Gepäck für eine kleine abendliche Grillfeier parat. 10 Uhr wollten wir vor seiner Haustür stehen, was leider nicht ganz geklappt hat. Irgendwie wird 2012 an ganz vielen Straßen Reparaturarbeiten durchgeführt, immer wieder Umleitungen.

2012-abr-05Nach einer kleinen Hofbegehung und ausgiebigen Kaffeeplausch haben wir uns weiter auf die Reise zum Oldtimer Team Waltersbrück gemacht. Hier stand noch eine Verladung von 2 Little John’s aus Horicon an. Zu dem 111er von Michel auf seinem Anhänger verstauten, sollte noch der 112er von Wolle und ein Model F525 vom örtlichen Sportverein mit auf die ca. 330 km lange Strecke verladen werden.
Andrea und ich hatten uns zwischenzeitlich mit unserem Fuhrpark auf Bodo‘s Hof breitgemacht, als Wolle dann mit seinem 3120 und kleinem Anhänger vorfuhr.

Bodo, Holger und Volker, die leider nicht bei dieser Reise dabei sein konnten, waren auch zum Geburtstagsgrillen eingeladen. Michel hatte ein paar Tage vorher seine 68 Lenze erreicht und wollte dieses auch gerne in seinem Freundeskreis feiern.

Als Zusammenfassung möchte ich die komplette Kolonne hier an dieser Stelle einmal vorstellen, die sich ab Donnerstag, den 23. August auf den Weg nach Breitenborn gemacht haben.

Michel: 3020 und Anhänger mit Little John 112, 111 und F525

Wolle: 3120 und Wohnwagen des OTW

Andrea: 3350 und Anhänger mit Little John 110

und ich mit 3050 und Wohnwagen

Eine besondere Freude war es, dass auch der aktive Landwirt Ludwig mit seinem 3010er und Wohnwagen dabei war. Ludwig wurde am Morgen unseres ersten gemeinsamen Reisetages unterwegs aufgelesen. 

Das Abenteuer beginnt, wir sind komplett!!!

2012-abr-03Meine Bedenken, mit 5 Traktoren und einer maximalen Geschwindigkeit kurz unter 30km/h über die Straßen schleichen zu müssen, verflogen schon nach wenigen Kilometern.

Andrea und ich waren es gewohnt, eher etwas schneller zu fahren, aber so eine ruhige Fahrt, einfach herrlich.

Es mag zwar schwer erklärbar sein, aber es ist ein riesiger Unterschied, mit 30 statt 40 über Gullydeckel in der Straße oder Straßenschäden zu fahren. Der vertikale Weg des Fahrers ist wesentlich kürzer und ermöglicht zusätzlich mal den Blick in die Landkarte. Besonders den herrlichen Ausblick von Traktor aus, kann wesentlich intensiver genossen werden. So hörte man in den doch recht wenigen Pausen, die wir gemacht haben, die ein oder andere Bemerkung:

Das hätten wir uns doch mal genauer anschauen können!

2012-abr-06Ich bin grundsätzlich der gleichen Meinung, aber wie soll man mit 5 Traktoren und Anhängsel mal eben kurzfristig anhalten und eine kulturelle Besichtigung einlegen? Es ist ja schon schwierig genug, für eine Essenspause einen dementsprechenden Platz für alle zu finden und auch die vorher miteinander abgestimmte Tagesetappe soll ja auch noch geschafft werden.
Man braucht nicht darüber zu diskutieren, allen ist es nicht recht zu machen, auch nicht welchen Weg oder welche Strecke den nun gefahren werden soll.

Schließlich wollte ich auch einen gewissen Erholungswert auf dieser Reise erhalten.

Mit Hilfe von Navigationsgeräten, die Andrea als letzte in der Kolonne und ich als Richtungsvorgeber dabei hatten, waren wir zeitgemäß unterwegs. Das ist entspannend und erspart sehr viel Vorbereitungszeit. Manchmal ist es allerdings doch nicht so einfach. 

Eine Umleitung, die nicht rechtzeitig erkannt und befolgt wurde, sollte mich eines Besseren belehren. Wir wurden mit einer Streckenalternative belohnt, die noch lange in Erinnerung bleiben wird. 

Wir haben unsere erste gemeinsame Nacht in Weißensee auf dem Campingplatz verbracht. Ein einfacher aber auch schöner Platz mit einer tollen Gastronomie, wo wir uns am Vorabend ordentlich stärken konnten. Auch das ist ein Abenteuer, miteinander den Tag beginnen, mit Gleichgesinnten aber doch unterschiedlichen Menschen. Aber nur so lernt man sich wirklich kennen und weiß nicht nur wer wer ist.

2012-abr-04Ein am Abend vorher gebuchtes Frühstücksbuffet wurde ab 7.30 Uhr aufgesucht. Toll, ein gedeckter Tisch mit Kerzen und toller Dekoration hatte man vorbereitet. Mit der Frage, wer denn das Geburtstagskind sei, fiel gleich der Name Michel.
Ziemlich am Ende unseres Frühstücks kamen weitere Gäste hinzu, die uns leider mitteilen mussten, dass der Tisch zu einem Geburtstag für einen kleinen Jungen vorbereitet war.
Zufällig wie wir, auch für 5 Personen. Etwas peinlich war uns schon, aber was soll’s? Sind schließlich auf Abenteuer.

Wir verabschiedeten uns von der Platzwartin und vereinbarten gleich einen Übernachtungstermin für die Rückreise am 27. August. Uns blieb  eigentlich auch gar nichts anderes übrig, so viele Campingplätze lagen nicht auf unserer geplanten Route.

Jetzt kann ich sagen, wo der Fehler war, eine falsche Strecke eingeschlagen zu haben.

Wir haben gleich für morgens gemeinsames Tanken vereinbart. Diese Tankstelle lag unglücklicherweise einige Meter hinter der Abbiegung zur geplanten Umleitung. Nach dem Tanken sind wir einfach weitergefahren und dann nahm das Abenteuer eine weitere Etappe. Der weitere Weg führte uns über eine lange Serpentinstrecke bergauf, die ich nicht unbedingt wieder zurück fahren wollte2012-abr-07. Dank Navi, wird immer eine neue Alternative berechnet, die sich über eine sehr schmale und sehr ungewöhnlich steile Abfahrt ergeben hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals über eine so lange Strecke, solange die Füße auf die Fußbremse gedrückt zu haben. Dank dieser ungeplanten Fahrtroute, konnte nicht nur Ludwig, sondern alle nochmals die herrlichen Wasserfälle in Bad Kösen bewundern.

Somit sind wir dann vor der Tankstelle abgebogen und haben uns dann wieder der digitalen Technik hingegeben. Als wir dann die Aufforderung bekamen, nach links auf eine Kopfsteinpflasterstrecke abzubiegen, nahm ich doch lieber mal die Karte zur Hand.
Die Strecke ist zwar richtig, aber nicht sehr komfortabel. Mehr wie gute Schrittgeschwindigkeit war fast schon nicht mehr drin. Auch der Blick auf die alten Häuser und Höfe in den abgelegenen Dörfern, mit teilweise Hühnern vor der Haustür, entschädigten nicht für diese Tortur.

Nach einer Weile kamen die ersten Asphaltstraßen wieder zum Vorschein und ließen darauf hoffen, auf einem besseren Weg zu sein.

2012-abr-09Doch plötzlich sah ich im Rückspiegel einen Wohnwagen an der Böschung Richtung Acker liegen. Für mich sah es aus der Ferne so aus, als wenn ein anderes Fahrzeug mit dem Gespann von Wolle, kollidiert ist. Glücklicherweise war niemand weiteres an diesem Vorfall beteiligt.
Der Kugelkopf, der am Zugpendel befestigt wurde, hat sich gelöst und hat sich mitsamt dem Wohnwagen Selbstständig gemacht. Die Sicherungsleine, die für solche Fälle zu einer Vollbremsung führen soll, hatte leider durch den Wegfall des Kugelkopfes, keine Funktion mehr. Ganz schnell waren wir uns einig, lieber hier an einer unbefahrenen Straße, als eine Kollision mit einem anderem Fahrzeug mit evtl. Personenschaden. Der psychische Schaden des Fahrers hielt sich sehr
in Grenzen und man konzentrierte sich auf eine Lösungsfindung, wie wir denn die letzten 43 km hinter uns bringen2012-abr-10 sollten.
Selbst wenn wir die verlorene Mutter wiederfinden sollten, ist das Gewinde in dem immer noch in der Deichsel befindlichen Kugelkopf endgültig zerstört. Ein netter Einheimischer machte sich mit Wolle zu einer nahegelegenen Werkstatt, um für Ersatz zu sorgen. Obwohl die Dichte der John Deere Werkstätten doch sehr abgenommen hat, war diese zufällig eine.
In der Zwischenzeit hat der Rest der Gruppe den Wohnwagen vom Feld geborgen und begutachtete den Schaden. Dafür, dass ein Baum gestreift wurde, sah der Wohnwagen nicht viel schlimmer aus wie vorher, oder? 

Toralf Weber, besser gesagt, Familie Weber erwartete uns für den frühen Nachmittag und meldete sich schon mal per Telefon bei mir.

Wie weit seid ihr? Nun ja, jetzt wo alles wieder auf der Straße ist, wird es wohl noch ca. 2 Stunden dauern. Um nicht zu viel am Telefon erzählen zu müssen, hielt ich den Bericht über diesen Zwischenfall eher kurz.

2012-abr-11Toralf hat für das gesamte Wochenende von Freitag bis zur Abreise am Montag alles mit seiner Familie und Freunden vorbereitet. Das Grundstück geschmückt mit Fahnen und Fähnchen im Vorgarten, nichts fehlte. Wir also rauf mit Traktor und alles, was hinten dran hing, aber was ist das? Passen ja kaum 3 Gespanne hin, als ich in der letzten Ecke des Hofes ankam. Alle anderen folgten mir Blind, sodass die Hauptstraße vor dem Haus, kurzerhand in absoluten Stillstand versetz wurde. Der Empfang war herzlich und es fühlte sich gut an, ohne größere Probleme am Ziel angekommen zu sein. Erst mal ein Bier dachte ich, aber nein, die Straße muss frei.2012-abr-12

Toralf hatte einen groben Plan im Kopf, wie alles auf dem Hof Platz finden würde. Also ran ans Ranggieren und Umstellen, kann nicht so schlimm sein. Upps, war da was im Weg?  
Wolle hat alles im Griff, so wie man es von ihm kennt. 
Alles ging rauf, nur noch die Flagge hissen und ran ans kühle Bier. Man hatte sich viel zu erzählen, aber die Freude, sich mal wieder in die Augen schauen zu können, war am größten.
Der Abend verging im Fluge bei Grillfleisch und dem ein oder anderem kleinem Regenschauer.

 Am Samstag, dem 25. August, frisch und erholt zum Traktorentreffen Breitenborn aufbrechen zu können, haben wir alle zusammen erst einmal kräftig gefrühstückt. Schließlich sollte Toralf sein frisch restaurierter SF700 4 Schar Beetpflug die Arbeit wieder aufnehmen. Vorher haben wir erst mal alles zusammen gesucht, was ausgestellt werden soll. Bevor ich etwas vergesse aufzuzählen, schaut euch mal die Fotos an. Eine ganze Reihe an John Deere Lanz Technik, die zusammen gekommen ist, dass sieht man nicht alle Tage.

2012-abr-13Der Sommer 2012 war ganzheitlich gesehen, vom Wetter nicht so dass, was man sich wünscht, aber an diesem Wochenende, einfach herrlich. Wir wurden ganz herzlich von den Traktorfreunden Breitenborn begrüßt. Andrea und ich bekamen sogar ein kleines Präsent für die weiteste Anreise überreicht. Unser Augenmerk ging öfters zu Toralf und seinem Pflug, es sollte losgehen. Ludwig, auch als Gespannleistungspflügerpreisträger bei mindestens einem Wettbewerb, hat sich gerne bei der richtigen Einstellung des Pfluges, eingebracht. Richtig super, wie die hinterlassenen Furchen nach und nach immer besser wurden. Schade, dass diese Veranstaltung nur über einen Tag ging. Die Zeit verging so schnell, dass auch Frauke, die Tochter von Ludwig und Wolle’s Frau Doris, überhaupt nicht langweilig wurde. Gegen Abend haben wir unsere ausgestellten Sachen wieder zusammen gesucht und haben uns auf dem Weg zum Hof von Familie Weber gemacht.
Janet, die Frau von Toralf und ihr gemeinsamer Sohn Benjamin haben sichtlich sehr viel Spaß an diesem besonderen Event gehabt. Einen kleinen Sonnenbrand und eine erschöpfte aber nicht unglückliche Mine, meinte ich erkannt zu haben.
Bei gemeinsamen Abendessen haben wir den Tag nochmals Revue passieren lassen, als es nicht allzu spät ins Quartier ging.

Sonntags stand Kultur auf dem Programm.

2012-abr-18Dank der Bereitstellung des Firmenwagens von Toralf’s Arbeitgeber, konnten wir uns mit möglichst wenig Fahrzeugen auf dem Weg in die nähere Umgebung der Webers machen. Doris, Frauke, Janet, Ludwig, Michel, Wolle, Benjamin, Toralf, Andrea und ich suchten sich einen passenden Platz in zwei Autos. Als erstes Ziel steuerten wir einen Aussichtsturm an, mit einem herrlichen Ausblich auf die schöne sommerliche Landschaft. Selbst Wolle schaffte den Aufstieg zu Fuß, obwohl er eigentlich lieber eine Sänfte2012-abr-16 bevorzugt. 
Meiner Meinung nach, haben es alle genossen, mal nicht auf Landtechnik schauen zu müssen. Einfach mal die Beine vertreten und sich kulturellen Dingen widmen.

2012-abr-15Ich freute mich besonders auf das Leipziger Völkerschlachtdenkmal. Gigantische Bauwerke, die einem darüber nachdenken lassen, unter welchen Bedingungen die Menschen vor vielen Jahren gelebt und gelitten haben. Ein unbegreifliches Gefühl, Erdrückend und Begeisternd zugleich, nicht zu beschreiben.
Natürlich möchte ich auch hier gerne den Checker von D-Max nennen, der uns rein zufällig über den Weg lief. Benny und ich haben uns jedenfalls sehr gefreut, als er zusagte, sich mit uns fotografieren zu lassen.

2012-abr-17Nach einem kleinen Imbiss an einer Bratwurstbude, machten wir uns auf den Weg zu einem der stillgelegten Kohleabbaugebiete, die heute teilweise als Touristenattraktionen genutzt werden. Doris und Frauke mussten sich leider schon auf dem Heimweg mit ihrem Auto machen.2012-abr-19 Irgendwie komisch, die Strecke von Breitenborn nach Nordhessen ist mit dem Auto in ein paar Stunden zu bewältigen und wir brauchen mit dem Traktor zwei Tage.

Zum Abendessen sind wir  in eine Ritterburg eingekehrt, die zufällig eine große Geburtstagsgruppe zu bewirten begann. Das war schon das Gefühl einer Zeitreise, die sich im Raum verbreitete. Wir nahmen Speisen mit Namen zu uns, die man teilweise nicht in der Bedeutung erleben möchte. Zumindest hoffte keiner darauf, eine Henkersmahlzeit als die letzte zu betrachten, auch wenn der Abschied von Familie Weber immer näher rückte. 

Nun war er da, der Montagmorgen. Gemeinsames Frühstück, wie immer herrlich aufgetischt mit vielen kleinen Leckereien begannen wir den Tag.

Was für ein Abenteuer?

Mehrere Tage zusammen ohne jegliche Missstimmung verbringen, das ist nicht selbstverständlich. So etwas vermisse ich ganz schnell, wenn es erst mal wieder vorbei ist.  
Aber es nützt nichts, wir suchen alles zusammen, was mit auf die Rückreise soll. Leergut, Präsente und alles was wieder in die Heimat soll.

Es ist nur ein Abschied auf Zeit, man wird sich bestimmt bald wiedersehen. Verschiedenste Ereignisse haben uns schon öfter zusammen kommen lassen.

Es geht los, ab nach Weißensee.

Auf keinen Fall über die Holperstrecke und an der Unfallstelle vorbei!!!  Bundesstraße ist das Beste. Breit genug, LKW’s, und Autos vorbeifahren zu lassen. Wie üblich, ohne pünktliches Mittagsessen und vermutlich nicht genügend kleine Pausen unterwegs, sind wir auf dem geplanten Platz angekommen. Wir haben bei der Durchfahrt durch Weißensee schon die ein oder andere Gaststätte erspäht, aber leider bekamen wir die Info, dass alle Gastronomen in der Stadt und auf dem Campingplatz, Montags Ruhetag haben.
Man könne uns Bockwurst und Brötchen anbieten oder hungrig ins Bett. Dann lieber Wurst, bis sie aus den Ohren rauskommen. 

Am Dienstagmorgen und kurzem Verkaufsverhandlungen zwischen Ludwig und Michel, wollten wir uns auf die letzte Etappe Richtung Hessen machen. Leider wurde der Start etwas verzögert. Ludwig machte Michel ein unmoralisches Angebot, für den etwas zögerlich anspringenden 3020. Wäre der Deal über die Bühne gegangen, hätte es vermutlich nicht mehr ein so schönes Gruppenfoto gegeben. Bei der Ausfahrt vom Platz wurde jeder einzelne noch von der Platzwartin auf seinem Traktor fotografiert. Die letzten gemeinsamen 180 km und frisch gebackenen Pflaumenkuchen von Margot, Ludwigs Frau lagen vor uns. Na wenn das kein schönes Ziel ist. Ludwig hat unter anderem einen John Deere 3650 in seinem Maschinenpark.2012-abr-20
Ich war schon ganz heiß auf ein Gruppenfoto von den drei Sechszylindern der 50er Serie, die in Mannheim gebaut wurden.
Ob es nun Verständnisprobleme, Adrenalinüberschuss oder einfach nur die Freude, bald wieder zu Hause zu sein war, keine Ahnung. Auf einmal waren wir eine Splittergruppe, wo auf einmal fast schon jeder auf sich gestellt war. Das hätte vermutlich auf den letzten 40 Kilometern nicht mehr passieren können, wenn wir bei der letzten Pause das vernünftig besprochen hätten.
Dennoch sind wir alle, fast zeitgleich bei Ludwig in Felsberg angekommen. Bei Kaffee und Kuchen fingen wir an von den Erlebnissen zu erzählen. Aber leider war hier erst mal für Ludwig die Reise zu Ende.

Wolle und Michel haben sich auf dem Weg in ihre Heimat gemacht. Andrea und ich sind auf dem nahegelegenen Campingplatz am Neuhainer See untergekommen.

Ein paar Tage einfach mal kein Traktor fahren, die Beine etwas hoch legen und auf das Traktorentreffen in Homberg/Ohm Dannenrod freuen.

2012-abr-212012-abr-22Wir hatten Mittwoch bis Freitag eine ruhige Zeit, die teilweise mit alten Bekannten verbracht wurde. Holger, der kurz vor seiner Reise in die Sonne stand, hat uns an einem Abend besucht. Es gab viel zu erzählen, da er gerne mit dabei gewesen wäre. Eine ganz besondere Freude war es, mit Michel und seiner Frau Waltraud einen Tag rund um den Edersee zu verbringen. Ein Besuch am Ederstausee und das Schloss Waldeck waren sehr beeindruckend. Einfach nur schön, wenn man sich nicht nur wegen den Traktoren, sondern auch menschlich so gut versteht, dass ein Abschied immer wieder schwer fällt.

Traktorentreffen Homberg/Ohm Dannenrod

Michel hatte keine Zeit beim nächsten Wochenende dabei zu sein. Aber ganz ohne das OTW sollte es auch nicht sein. Bodo und Volker haben Andrea und ich begleiten dürfen auf die ca. 60km lange Fahrt. Die beiden hatten wie Holger keine Zeit für das Treffen in Breitenborn und freuten sich auf dieses Wochenende. Sie sind bekannte Gäste in Dannenrod, die das OTW sehr gut vertreten. Schöner ist es allerdings, wenn man komplett als Team dabei ist.

2012-abr-28Was für alle unerwartet war, diese große Beteiligung an John Deere und Lanz Traktoren, das ich persönlich noch nicht miterlebt habe. Ludwig hatte sich mit seinen beiden Töchtern Frauke und Katrin mit dem Auto zu uns auf dem Weg gemacht. Michael Nispel kam mit einem tollen Mix aus Young und Oldtimern. Alles was in grün-gelb auf dem Platz zu finden war, hat sich spontan zu uns gesellt. Auch am Sonntag kamen noch John Deere Fans teilweise mit ihren Rasentraktoren oder Schleppern zu uns. Durch die vielseitigen Gespräche konnten wir den ein oder anderen zu einem Mitwirken in unserer Interessengemeinschaft animieren.
Leider mussten Andrea und ich schon rechtzeitig am Sonntag von allen anderen verabschieden.

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Für uns standen noch gute 80 km an, die uns zu dem bewährten Campingplatz in Hofgeismar  führen sollten. Die Dämmerung war schon in vollem Gange, als wir den Platz erreichten. Gegessen hatten wir unterwegs, sodass wir nur noch duschen und schlafen brauchten. Allerdings machte mir beim Einschlafen das Problem mit dem Little John Shuttle ein wenig Kopfzerbrechen. Schon auf der allerersten Etappe hatte es einen kleinen Materialbruch am Rahmen des Anhängers gegeben. Dieser hat sich mittlerweile weiter ausgebreitet, dass eine Zwischenreparatur unumgänglich wurde. Gleich Montagmorgen nach der Abfahrt von Campingplatz hielt ich Ausschau nach einer Werkstatt. 2012-abr-30Eine Ferguson Vertragswerkstand erblickte ich auf der linken Seite. Die schauten schon etwas verwunderlich drein, was wir denn wohl dort wollten. Ein kurzes Flacheisen und ein paar Zentimeter Schweißnaht bat ich die Herren in Rot. Kein alltäglicher Besuch in ihrer Werkstatt stellten sie fest und wunderten sich über das Nummernschild. Immer wieder die gleichen Erklärungen, warum es so viel Spaß macht, mit einem Traktor zu verreisen. Ganz viel Verständnis wurde uns zwar nicht entgegengebracht, aber die provisorische Reparatur ganz ordentlich ausgeführt. Mir lag einiges auf der Zunge, als wir mit einem freundlichen John Deere Lanz, mehr kaputt als ganz, verabschiedet wurden, aber das behielt ich lieber für mich. Das ist schließlich nur Spaß und gehört immer irgendwie dazu.

 
Am Steinhuder Meer

2012-abr-31Wir haben, seit Andrea und ich alleine unterwegs waren, die Geschwindigkeit etwas gedrosselt. Nicht nur wegen des Anhängers, der nicht zu 100% fit ist, sondern weil es einfach entspannter ist, wenn man nicht ganz so am rasen ist. Ich war sehr gespannt, was uns am Steinhuder Meer erwarten würde. Ein beliebtes Ausflugziel für Segler, Bootfahrer, Camper und alle die das Wasser lieben. Somit müsste alles überlaufen sein und es schwierig werden, einen Platz für eine Übernachtung zu finden. Es ist zwar schon Nebensaison, aber Plätze mit Traktoren, so was kenn ich nicht und das2012-abr-32 geht auch gar nicht, war die erste Antwort. Verwundert schauten Andrea und ich uns an, die haben so etwas noch nicht erlebt, dass man mit Traktor campen will. Aber sie waren so nett und verwiesen uns auf einem Nachbarplatz, die uns gerne aufnahmen. Ein herrlicher Blick über das Steinhuder Meer an unserem letzten Urlaubstag. Wirklich so schön, da müssen wir nochmal hin, dachten wir. Wir sind in eine Gaststätte mit Blick übers Wasser eingekehrt und wurden etwas wehmütig.

Morgen ist es vorbei, unser diesjähriger Urlaub, der sich zu einem kleinen Abenteuer entwickelt hat.

Ich will nicht nach Hause, liegt mir noch von Andrea in den Ohren, aber es nützt nichts. Ein bisschen froh ist man schon, wenn man alles soweit heil überstanden hat.

So eine Abenteuerreise ohne größere seelische oder materielle Schäden zu überstehen, ist mit Sicherheit keine Selbstverständlichkeit, davon bin ich überzeugt.